Veröffentlicht in Literatur

Seit acht Uhr nichts als Grausamkeiten… J’ai peur.

Es passiert (mir) nicht oft, dass ich ein Gedicht finde, von dem ich gar nicht fassen kann, es gefunden zu haben, und nicht weiß, ob ich jubeln oder heulen oder aufgeben soll.

Von Michel Houellebecq

Die Nachrichten vermischen sich wie Nadeln

In mein Gehirn geschüttet

Von der blinden Hand des Sprechers;

Ich habe Angst.

Seit acht Uhr nichts als Grausamkeiten

In meinem Apparat;

Sehr weit oben strahlt die Sonne.

 

Der Himmel ist leicht grün,

Wie Schwimmbadbeleuchtung;

Der Kaffee ist bitter,

Überall wird gemordet;

Der Himmel beleuchtet nur noch Ruinen.#

Und hier das Original für alle Frankophonen bzw. -philen

Les informations se mélangent comme des aiguilles

Versées dans ma cervelle

 Par la main aveugle du commentateur ;

 J´ai peur

Depuis huit heures, les déclarations cruelles

Se succèdent dans mon récepteur ;

Très haut, le soleil brille.

 

 Le ciel est légèrement vert,

 Comme un éclairage de pscine ;

Le café est amer,

 Partout on assassine ;

Le ciel n´éclaire plus que des ruines.

Aus: M. Houellebecq: „Wiedergeburt. Gedichte„. Französisch-Deutsche Ausgabe. Rowohlt Taschenbuch Verlag