Veröffentlicht in Literatur, Politik

Gioconda Belli

Gioconda Belli 2009Trotz verschiedenster Lektüre-Ansätze hab ich es bisher nicht geschafft, die Geschichte Nicaraguas wirklich zu begreifen. Dem Osterhasen sei dank: Jetzt lese ich Gioconda Bellis Autobiografie „Die Verteidigung des Glücks: Erinnerungen an Liebe und Krieg„. Auch wenn die Innensicht der Revolution historisch gesehen einseitig ist: Jetzt erschließt sich mir das, was diverse wissenschaftlich aufbereitete Abrisse mir nicht vermitteln konnten. Dringender Lesetipp für alle Interessierten also

(Foto: Sonja Harter, Februar 2009, Granada, Nicaragua)

Veröffentlicht in Medien, Politik, Privates

There are no … in my life

In meinem Leben gibt es zwar keine Computerspiele, aber doch ein paar jener „Risikofaktoren“, die sofort auf die Titelseiten gezerrt werden (Ich höre zB Manson und schreibe – „huch“ – Gedichte; so wie ein „Problemkind“, das jüngst in einer ORF-Diskussion beschrieben wurde).

Nicht zuletzt durch meinen Bekanntenkreis verstehe ich aber eine gewisse Faszination für Computerspiele. Und in diesem Sinne ist diese Initiative wichtig.  Games do not kill. Guns do.

Und, ja, auch Marilyn Manson ist nicht schuld. Das neue Album „The High End of Low“ erscheint übrigens am 13. Mai. Und ja, der Titel des ersten Videos passt zur Diskussion: 

 „I Want to Kill You Like They Do in the Movies.“

Und für alle, die das noch nicht gesehen haben:

Veröffentlicht in Medien, Politik

Vorlesen

Eigenartig, wie unscheinbar sich Barack Obamas gestrige Rede vor dem Kongress in den heimischen Online-Medien niedergeschlagen hat. Da sein Auftritt auf so ziemlich allen amerikanischen und mittelamerikanischen Kanälen durchgeschaltet war, konnte ich ihn in voller Länge live verfolgen (die Wedekind-Biografie hab ich fertig, „Ulysses“ geht auch hier nicht).

Neben den Punkten zu Wirtschaft und Gesundheitswesen hat mich vorallem das Thema Bildung und Obamas klare Worte dazu tief bewegt und beeindruckt. Die Anzahl der Schulabbrecher minimieren, die Akademikerquote bis 2020 an die weltweite Spitze führen – und – das Bewusstsein der ELTERN SCHÄRFEN, dass Bildung zu Hause beginnt. Und das Einfachste und Logischste von allem, was ich seit Jahr und Tag ausschließlich in den DaF-Seminaren auf der Uni, und nur dort höre, gibt er direkt an sein Volk weiter: LEST DEN KINDERN VOR. „Vorlesen“ weiterlesen

Veröffentlicht in Diskussionen, Politik, Privates

Gute Ausbildung? Selber schuld!

Angesichts der überdurchschnittlich hervorragenden Akademikerquote in Österreich in Verbindung mit den ausgefeilten Regelungen zum Erlass der Studiengebühren gibt es heute eine kleine Geschichte aus den Niederungen der Realität.

Es war einmal ein junger, intelligenter und unglücklicherweise auf mehreren Gebieten begabter Mann, nennen wir ihn Vincent. Nach seinem HTL-Abschluss und dem Bundesheer entschloss er sich, etwas aus seinem Leben zu machen. Er inskribierte für zwei Diplomstudien, deren Kombination ihn zu einer gefragten Arbeitskraft machen würde. Elektrotechnik und Philosophie. Da sein finanzieller Hintergrund eher durchschnittlich war, entschied er sich, zu Hause zu wohnen und nebenbei geringfügig in einer Elektrotechnikfirma zu arbeiten, um einerseits ein Zubrot zu haben (oder besser „Zubier“), andererseits nicht über die Grenze für die so notwendige Kinderbeihilfe zu kommen. Nach vier Semestern, in denen er rund 1500 Euro Studiengebühr gezahlt hatte, entschied sich die Bundesregierung, die Studiengebühren für fleißige Studenten aufzuheben. Wie schön, dachte sich Vincent. Er gehörte eindeutig zu der Zielgruppe der Fleißigen. Dann aber kamen die Verordnungen. Befreit von der Studiengebühr sind all jene, die ihr Studium entweder binnen der Mindeststudienzeit plus Toleranzsemester absolvieren oder mehr als 4.886,14 Euro im Kalenderjahr verdienen. Alle anderen sind faule Bummler, die zahlen müssen. Vincents Punkte auf einer fiktiven Skala von 1-10 in puncto „potenziell hoch qualifizierte Arbeitskraft nach Ende des Studiums“ standen übrigens bei cirka 9.

Aber wie das Leben so spielt, bedeutet ein Doppel-Studium nicht nur die doppelte Kompetenz, sondern auch einen gewissen Mehraufwand im Vergleich zu Einzelstudien, die es in Mindestzeit plus Toleranzsemester zu bewerkstelligen gilt. Tja, das ist Pech. Vincent fällt nach 5 Semestern in jene Kategorie von Bummlern, die ihre Studiengebühren zahlen müssen, weil sie den ersten Abschnitt nicht abschließen können.

Schnitt.

Eine junge, den Freuden des Lebens zugeneigte Frau, nennen wir sie Franziska, wollte mehr im Leben. Und sie wusste, dass sie mit Germanistik allein nicht weit kommen würde. Bald war ihr fachbezogener Nebenjob so einträglich, dass sie sich eine Wohnung nahm, die sie zu erhalten hatte. Nebenbei verlor sie die Kinderbeihilfe, weil sie zu viel verdiente. Egal, dachte sie sich, sie ist ja erfolgreich im Job. Also studierte sie zehn, elf oder zwölf Semester Germanistik, so genau erinnert sie sich nicht mehr. Die Studiengebühren von mittlerweile 4000 Euro seit Studienbeginn schrieb sie jährlich von der Steuer ab. Irgendwann entschloss sie sich, die Universität (also die Stadt) zu wechseln. Da es den Studienplan ihrer Uni dort nicht gab (nein, sie ging nicht ins Ausland, sondern in ein benachbartes Bundesland), wechselte sie kurzerhand vom Bakkalaureat zum Diplomstudium Germanistik. Aber ihr Job florierte, sie legte die Uni auf Eis und wurde exmatrikuliert, als sie aufhörte, Studiengebühren zu zahlen. Ihr Platz auf der Punkteskala eines potenziell für den Arbeitsmarkt wertvollen Akademikers sank auf etwa 2.

Als die Studiengebühren für all jene abgeschafft wurden, die mehr als 4.886,14 Euro im Jahr verdienen, dachte sie sich: „Ach, machen wir doch fertig, kostet ja nix mehr, egal wie lange das dauert“. Freudig erregt immatrikulierte sie. Leider hatte sich der Studienplan inzwischen geändert, sie musste in den neuen einsteigen und verlor eine ganze Reihe an bereits absolvierten Fächern, weil sie nicht in den neuen Plan passten. Aber Franzsika war das egal. Sie bereitete sich vor, mit ihrem Einkommensnachweis auf die Uni zu pilgern, um sich von der Studiengebühr befreien zu lassen. Doch welch Überraschung! Obwohl sie bereits 10, 11, 12 oder 13 Semester hinter sich hatte, also sich jenseits der Mindestudienzeit plus Toleranzsemester bewegte, hatte der Computer sie durch den Studien(plan)wechsel gewissermaßen  als Erstsemestrige klassifiziert. Schließlich hieß das Studium jetzt anders und war deshalb ein völlig neues. Also zahlte sie die Studiengebühren nicht. Vor ihr lagen sechs Semester, in denen sie ihr fast fertiges Bakkalaureat in Mindestzeit absolvieren konnte. Kurz dachte sie an Vincent, der seit 5 Semestern zwei Diplomstudien in nahezu Mindestzeit absolvierte und nun zu jenen Bummlern gehört, die zahlen müssen. Kurz dachte sie an ihre nicht gerade gestiegenen Punkte auf der nützlichen Akademikerskala. Aber egal. Sie wusste genau. Der Staat will, dass sie mit 30 ein Bakkalaureat in Germanistik abschließt. Einzig das, und nur das, war wichtig.

Veröffentlicht in Diskussionen, Politik

no, WE can’t

jahrelang war es sehr einfach, das ami-volk pauschal zu verurteilen. angesichts des wahlergebnisses tendiere ich dazu, mich pauschal zu freuen. zurück bleibt jedoch die frage : wann sind wir so weit?

nicht zuletzt dieses interview macht mir bewusst, in welch arroganter lage wir uns seit fast zehn jahren befinden. seit damals (und nicht nur) halten wir uns für wahnsinnig intellektuell, grenzen uns von all jenen ab (immerhin fast 30 prozent), die „so“ gewählt haben. wir glauben, dass die ganze restliche welt nur UNS sieht. die guten. warum, frage ich mich, haben wir stets vermieden, die guten amis zu sehen? warum haben wir sie für die fehler der anderen verantwortlich gemacht, während wir uns überlegen fühlten?

nicht zuletzt auf den zahlreichen lyrik-festivals, auf denen stets auch US-poeten vertreten sind, konnte ich eine gewisse selbstreflektierte haltung bemerken, ein bewusstsein für die mängel ihres landes, ein gefühl von „wir amerikaner sind nicht zu retten“, etc. diese menschen haben verantwortung für ihre mit-wähler übernommen, während „wir“ uns abgrenzen. nun hat sich das US-blatt gewendet. yes, we can – das haben sie bewiesen. vielleicht sollten auch wir uns ein wenig mit jenen 30 prozent auseinandersetzen, die vor wenigen wochen „so“ gewählt haben. erst durch das akzeptieren dieses komplizierten zustands wird es möglich, gemeinsam etwas daran zu ändern. denn ausgrenzung derjenigen, die lauthals ausgrenzen, führt zu jener kluft, die uns trennt. und die wird bestimmt nicht kleiner, wenn wir das problem ignorieren. no, WE can’t. not yet.