Veröffentlicht in Medien, Politik

Vorlesen

Eigenartig, wie unscheinbar sich Barack Obamas gestrige Rede vor dem Kongress in den heimischen Online-Medien niedergeschlagen hat. Da sein Auftritt auf so ziemlich allen amerikanischen und mittelamerikanischen Kanälen durchgeschaltet war, konnte ich ihn in voller Länge live verfolgen (die Wedekind-Biografie hab ich fertig, „Ulysses“ geht auch hier nicht).

Neben den Punkten zu Wirtschaft und Gesundheitswesen hat mich vorallem das Thema Bildung und Obamas klare Worte dazu tief bewegt und beeindruckt. Die Anzahl der Schulabbrecher minimieren, die Akademikerquote bis 2020 an die weltweite Spitze führen – und – das Bewusstsein der ELTERN SCHÄRFEN, dass Bildung zu Hause beginnt. Und das Einfachste und Logischste von allem, was ich seit Jahr und Tag ausschließlich in den DaF-Seminaren auf der Uni, und nur dort höre, gibt er direkt an sein Volk weiter: LEST DEN KINDERN VOR.

Wenn mir jemand den Beweis bringt, dass in den letzten zehn Jahren entweder der österreichische Bundespräsident oder der Kanzler Eltern zu diesem einfachen, effizienten Mittel zur Entwicklung der (Sprach-)kompetenz der Kinder aufgerufen hat, nehme ich alles zurück. So viel BlaBla, aber die BASICS, die für Eltern heutzutage offensichtlich nicht mehr selbstverständlich sind, muss ich in einem Hotelzimmer in San Jose vom US-Präsidenten hören.

Ständig dreht sich bei uns alles um die Lehrer, die Schule, die Kindergärten und Krippen (oder wie das heißt), aber kein Mensch nimmt die Eltern beim Krawattl und sagt: Lies deinen Kindern Märchen vor! Das fördert neben der Literalität nämlich auch ein gewisses Wissen über die Welt, fördert die Neugierde, transportiert Emotionen, etc.

Sorry, wenn ich emotional werde, aber zu einem ähnlichen Thema schreibe ich gerade eine Arbeit, die sich u.a. auf jenes VORLESEN bezieht, das nicht zuletzt in manchen Migrantenfamilien fehlt, weil (von oben) allzu sehr auf das Deutsche gepocht wird, die Kinder 2. Generation so schnell wie möglich Deutsch lernen sollen (glauben die Eltern), aber jegliche frühkindliche Sprachkompetenz (auch auf emotionaler Ebene) im A.. ist, wenn die Eltern auf Deutsch nicht vorlesen können, und aus Scham (siehe Brizic) nicht in ihrer eigenen Muttersprache den Kindern erste Kontakte mit der geschriebenen Sprache ermöglichen. Vielleicht sollte man den „Bildungs-Teil“ von Obamas Rede schlicht und einfach übersetzen und in allen heimischen Tageszeitungen publizieren. Schaden würde das nicht!

Bei unserer Berichterstattung fällt jener Teil von Obamas Rede über detaillierte Vorstellungen im Bereich Bildung unter die Rubrik „(…)“

Dankeschön. http://derstandard.at/?id=1234507974960

PS. Wirre Formulierungen und orthographische wie syntaktische Fehler bitte ich auf meine Übermüdung zu schieben.

4 Kommentare zu „Vorlesen

  1. jaja, ich predige auch immer, aber es ist wie perlen vor die säue werfen.
    wedekind hast du durch? schon ganz schön heftiger typ, nicht? hauptmann wurde mir btw gründlich verunsymphatisiert durch diese bio. aber die wahrheit liegt bekanntlich….
    welcome back 🙂

  2. liebe andrea, ich gurke noch am airport houston herum, weil es so ausschaut, als wuerde der lufthansa-schalter erst kurz vor abflug aufmachen, und in managua waren sie nicht faehig, mir die boardingpaesse gleich zu geben… also heisst es wohl mindestens 2 stunden warten…
    dieter hat mir uebrigens keine buecher im hotel hinterlegt, die ganze ehre liegt nun bei euch. tausend dank nochmals, dass ihr die buecher mitgenommen habt! bis bald!

  3. ja das problem hatten wir auch. wir habens gelöst, indem wir planlos herumirrten, viel cola tranken (refill for free) und mit dem interterminal train rumfuhren, der mich stark an die grazer grottenbahn erinnerte…
    bücher wohlbehalten angelangt und bereits bei der ksg gelagert. bis bald!

  4. ja, costa rica war SEHR RUHIG = VIEL ZEIT, wedekind ist also durch. war nach anfänglichem ärger über die machart des buches sehr fesselnd, mit hauptmann geht’s mir nun ähnlich. also: hauptmann-biografie lesen und danach wedekind hassen? 🙂

    ps: hab’s dann doch nicht übers herz gebracht, das buch wegzuschmeißen und hab kurzen prozess gemacht, indem meine mutter es jetzt durchackern und danach nach gutdünken entsorgen kann (der einband sieht schon sehr recycled aus). apropos: falls sie den transport überlebt hat – möchtest du die thrombose-spritze zurück? (hab sie mitgebracht)

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